seit dem 1. september…

…wohne ich in einem neuen landkreis. ich bin nicht umgezogen, der kreis hat sich verändert. im zuge der kreisgebietsreform wohne ich jetzt nicht mehr in der kreisfreien stadt greifswald sondern in der kreisstadt des neuen landkreises vorpommern-greifswald. anklam hat nach über 100 jahren seinen kreisstadtstatus verloren und das politische ringen um die verwaltungsstrukturen verschärft sich. das gesetz sieht greifswald als kreisstadt vor, doch über den landrats- und verwaltungssitz entscheidet letztendlich der neue kreistag. das stört die greifswalder politiker und es ist die letzte hoffnung, dass anklam und das strukturschwache umland nicht vollständig ausbluten.

anklam hat in der letzten zeit  sehr gelitten: die außenstelle der berufsschule wurde geschlossen, die grafik- und designschule zog nach greifswald, die polizeidirektion wurde zur polizeiinspektion herabgestuft und verlor unter anderem die einsatzleitstelle. eins der beiden neu geschaffenen polizeipräsidien wird seinen sitz in neubrandenburg haben, das andere in rostock. und die neue kreisstadt wurde greifswald, der “leuchtturm im strukturschwachen vorpommern”. für die beiden letzten punkte ist maßgeblich lorenz caffier verantwortlich, der meines wissens für beides zuerst anklam favorisiert, sich dann aber umentschieden hatte. greifswald und neubrandenburg haben eben mehr wähler als anklam und herr “c wie zukunft” sorgt sich anscheinend mehr um diese als um die zukunft vorpommerns.

wenn nun auch noch landrats-, kreistags-, und verwaltungssitz des neuen kreises nach greifswald, das ganz am nordwestlichen rand des kreises liegt, ziehen, bekommt die stadt ein politisches übergewicht. die basisdemokratie wird massiv gefährdet. vorpommern-greifswald erstreckt sich bis weit hinter pasewalk, das schon 100km von greifswald entfernt ist. wieder einmal wird gern das saarland als größeneinheit herangezogen, denn der neue kries ist so groß wie ebenjenes. wer will sich denn nebenamtlich in einem ausschuss engagieren, wenn er dafür anderthalb stunden autofahrt auf sich nehmen muss? entweder werden dann nur noch berufspolitker entscheiden, die sowieso ein kreistags- oder landtagsmandat oder einen bürgermeisterposten haben oder aus der südlichen region des kreises wird sich niemand mehr engagieren und der ehemalige kreis ueckerrandow versinkt in politischer lethargie.

es gab einen bürgerentscheid über den kreisnamen, allerdings hatte man lediglich die wahl zwischen pest und cholera: vorpommern-greifswald (an sich schon blöd, weil greifswald in vorpommern liegt) oder ostseehaffkreis vorpommern, sehr gewöhnungsbedürftig, lang, berücksichtigt mehr aber nicht alle regionen des kreises. die mehrheit bekam vorpommern-greifswald. es werden sich beiweitem nicht alle menschen mit dem neuen namen identifiezieren können. pasewalk ist weder vorpommern noch greifswald und penkun liegt schon dichter an berlin als an greifswald. mit großer wahrscheinlichkeit wird dies das politische desinteresse noch weiter verstärken; ein sehr guter nährboden für extreme gruppierungen.

auch die npd ist mit 6 von 69 sitzen wieder in den kreistag eingezogen. mit überraschend plumpen, aber eingängigen slogans traf sie wieder den nerv von bis zu einem drittel der bevölkerung in einigen wahlkreisen. man kann zwei arten von wahlslogans feststellen. hier ein paar beispiele:

  • prägnante sprüche, die mehr oder weniger mit der aktuellen politischen diskussion zu tun haben
    • “wir sind nicht das sozialamt der welt”
    • “nicht weichgespült”
    • “schluss mit blitzerabzocke”
  • kompletter blödsinn
    • “polen offen? job weg! auto weg!”
    • “sei kein frosch, wähle deutsch!”
    • mein favorit: “atomtod aus polen stoppen!”

die npd wird die wachsende entfernung der politik von der bevölkerung gut für sich nutzen können.

der eigentliche zweck der kreisgebietsreform ist die verschlankung der verwaltungsstruktur und damit verbundene einsparungen. der erste schritt dorthin war die schaffung einer koordinationsstelle, die die verwaltungen zusammenführen soll. es steht allerdings zur diskussion, ob in den alten kreisstädten außenstellen der verwaltungen erhalten bleiben, um die erreichbarkeit zu gewährleisten. dazu werden wesentlich größere fahrtkosten anfallen, vor allem, wenn alle haupt- und ehrenamtlichen mitarbeiter den kreis von greifswald aus befahren bzw. von irgendwoher bis nach greifswald fahren müssen.

es bleibt abzuwarten, was der neue kreis und vor allem der neue kreistag bringt. jetzt stehen erstmal noch stichwahlen für den landrat an.

extra3…

…ist eine von mir hochgeschätzte satiresendung. jedenfalls war sie das mal. die filmemacher schafften es, die schönsten situationen des alltags einzufangen und machten sie lustig, indem sie messerscharf beobachteten und einfach nur das schilderten, was dort passierte. das witzige daran war , dass sie alles auf den punkt brachten, ohne drumherumzulabern. erst dann fällt einem meist die sinnfreiheit vieler dinge auf.

nach längerer pause sah ich mal wieder zwei sendungen, sommerspecials moderiert von christian ehring. ich hatte eher den eindruck eines misslungen verschnittes von tv total, was ich nie sonderlich unterhaltend fand und der harald schmidt show im niedergang. ehring betritt das studio, leiert ein paar pseudowitzige sprüche runter, die seine autoren wahrscheinlich aus dem internet geklaut haben und leitet dann ungeschickt zum ersten film über.

meine lieblingssparte “der reale irrsinn” ist irgendwie, vielleicht sommerlochbedingt, relativ uninteressant und dementsprechend unlustig geworden. genauso hat der nachrichtenüberblick “abgehakt” an spritzigkeit verloren. tobias schlegl tritt als außendienstreporter in aktion und beschäftigt sich mit straßenpräsenzen von parteien oder politischen gruppierungen. jedoch anstatt den sinn jener aktion zu hinterfragen, wird einfach irgendein schwachsinn unternommen, um die leute, die an den straßenständen stehen zu verarschen, was statt zum nachdenken nur zum fremdschämen anregt.

was zwischen den filmen im studio passiert, ist auch nicht besser. die stefan-raab-komponente besteht darin, schlechte witzchen über ein top-thema zu reißen und sie mit clips (natürlich aus nachrichtensendungen, schließlich sind wir beim öffentlich-rechtlichen) zu unterfüttern. im harald-schmidt-teil werden kabarettisten eingeladen, die im gezwungen-lockeren gespräch mit ehring bei einem bierchen erfolglos versuchen, ihre vorbereiteten witze zu verbraten. dem publikum wurde wahrscheinlich thc verabreicht, damit es darüber lacht.

für mich war es ein trauerspiel. extra3 hat viel von seinem niveau, seines intelligenten und scharfsinnigen humors und seiner individualität eingebüßt.

gibt es hoffnung nach dem sommerloch?

der aschermittwoch…

…gehört für mich zu den schönsten tagen des jahres, denn dann ist endlich schluss mit diesem karnevalsirrsinn. ich bin ja heilfroh, dass ich im faschingsarmen pommern wohne. außer dem spärlichen umzug des karnevalsvereins läuft hier nicht viel. aber man wird übers fernsehen ja schon genug belästigt. da sind einmal die umzüge mit hackebreiten karnevalisten und festwagen, die versuchen, schon zehn mal durch den kakao gezogene geschehnisse wiederaufzuwärmen.

aber noch viel schlimmer sind die prunksitzungen: superlustige, verkleidete menschen reißen mit schlechten überleitungen verbundene, jahrzehntealte witze, die sie zum teil von echten comedians geklaut haben und schlechter darbringen, während die betrunkene masse sich zur musik äußerst berühmter bands, die meist aus gutem grund lokal sehr begrenzt äußerst berühmt sind, die ganze chose schön schunkelt und mit tuschs signalisiert bekommt, wann sie zu lachen hat, weils aus den pseudokomödiantischen darbietungen nicht zu entnehmen ist.

so viel zu meiner diesjährigen abrechnung mit der fünften jahreszeit.

viele farben, gut gemischt…

…ergeben grau.

ich komme gerade vom konzert des oberstufenchores der greifswalder waldorfschule. ein freund von mir singt dort mit und durch seine (eher negativ geprägten) erzählungen bin ich doch neugierig geworden. ich hatte keinerlei erwartungen und die wurden auch gänzlich erfüllt.

es war ein sehr gemischtes programm in mehrererlei hinsicht: die musikalischen epochen und die musizierenden ensembles. als untergruppen des 130 sänger umfassenden chores traten ein kammmerchor und ein vokalensemble des abiturjahrgangs auf. außerdem spielten noch das schlecht intonierte schulorchester, drei trios (querflöten, violinen, saxophone) und eine solistin am vibraphon.

ich habe drei postive aspekte gefunden: der chor konnte den dom akustisch gut ausfüllen und die querflöten und das vibraphon waren wirklich gut. der rest war einfach mäßig.

das programm ließ kein musikalisches oder thematisches konzept erkennen. es war bunt durcheinandergewürfelt und die stücke waren musikalisch so undifferenziert, dass man keinen stilistischen unterschied feststellen konnte. egal ob schuberts “heilig”, ein italienisches madrigal oder ein arrangierter popsong, es klang alles gleich. die gestalterische nivellierung ging so weit, dass die zwei piano-stellen, die es in einem stück gab, regelrecht deplatziert wirkten.

70% des chorprogramms waren Kanons und das finde ich ziemlich schwach, aber was will man auch anderes erwarten, wenn auf dem programm steht, dass der chor wöchentlich zu einer 40-minütigen probe zusammenkommt.

das zahlreich vertretene publikum (der dom war wirklich voll) hat sich auch eine rüge verdient. nach jedem stück wurde geklatscht und sobald eine längere pause entstand, wurde wild getuschelt. von den wenigen musikalischen programmpunkten waren die leute so begeistert, dass sie noch in den letzten ton reinklatschten. der pöbel hat halt keinen sinn für musik. das alle hat dazu geführt, dass das konzert überhaupt keine spannung hatte. es war keine konzertatmosphäre zu spüren. kein angespanntes kribbeln, keine weiterlebenden klänge über den akustischen nachhall hinaus.

das konzert steht im krassen gegensatz zum klassenspiel, das ich erleben durfte. es war schon ganz gut, dass sie keinen eintritt genommen haben.

der quatsch-comedy-club…

…kommt mir vor wie ein depot für gescheiterte möchtergern-comedians. auf dieser bühne darf sich der ausschuss der deutschen humor-szene mit seinen unausgegorenen witzchen öffentlich selbst demütigen. um so peinlicher muss es doch sein, dort auch noch regelmäßig aufzutreten. der qcc ist sowas wie die umschulungsmaßnahme für hartz4-empfänger. niemand will sie, aber aus statistischen gründen werden die karteileichen künstlich am leben erhalten, um zu zeigen, dass die deutsche comedy-szene lebt, wobei der qcc als repräsentative bühne für deutschen humor so geeignet ist wie dsds für die deutsche musikkultur.

allerdings passt sich, wie auch in der musik, die nachfrage dem angebot an. dem durchschnittlichen qcc-besucher kann man mit subtilem humor oder politisch unkorrektem zynismus kein lachen entlocken. serdar somuncu, ein von mir hochgeschätzter kabarettist, konnte das publikum mit seinen sprüchen über eva herrmann und die ns-zeit nicht für sich gewinnen, während käthe lachmann mit ihren infantilen beobachtungen über urinierende männer haufenweise lacher einfuhr. somuncu konnte mit seinen gedanken zu hartz4-tv allerdings besser punkten, wahrscheinlich, weil sich dieses thema durch täglichen konsum besser in den köpfen der zuschauer verankert und die leute mehr damit anfangen können, als mit politischen und pseudo-politischen debatten, von denen der träge otto-normal-verbraucher nur wortfetzen des vorbeirauschenden medienhypes mitkriegt.

vielleicht werde ich auch mit einem fünf-minuten-programm dort auftreten, nur um mich über das intellektuelle niveau der sendung und deren zuschauer zu amüsieren und darüber, dass da leute sitzen, die geld dafür bezahlt haben, dass ich sie auslache.

kurzentschlossen…

…bin ich heute auch noch zum weihnachtskonzert des anklamer knabenchores gegangen. ich habe mich selten so maßlos geärgert. den leiter kenne ich aus dem pop-seminar, das ich im letzten semester besucht habe. da ging es darum, aus einfachen liedern mit einfachen mitteln ein wirkungsvolles arrangement zu basteln. wir wurden also in die popmusik als perspektive zum praktischen arbeiten, vor allem in gottesdiensten, eingeführt. so weit, so gut. ich ging nun zum konzert in der hoffnung, dass der leiter auch andere facetten zeigt als die, die ich im pop-seminar erlebt habe.

leider wurde ich ziemlich enttäuscht. ein großteil der lieder war verjazzt und verpoppt. sicher, einiges klang sehr gut, wie zum beispiel die lieder, die die jüngeren nachwuchssänger einstimmig vorgetragen haben. allerdings hätten viele stücke a capella besser geklungen. überhaupt hat mich sehr gestört, dass der leiter nie dirigiert, sondern immer am klavier gesessen und alles mitgespielt hat. durch die stütze des klaviers wirkten viele der traditionellen vierstimmigen sätze plump und langweilig. etwas extremer ausgedrückt lässt sich sagen, dass das programm trotz der vielfalt an themen und stilen eine einzige soße war. irgendwie klang alles gleich. ich hatte immer einen gedanken im hinterkopf: hätte der chor das auch ohne klavier geschafft oder wäre die intonation dann zusammengebrochen?

nun kann man natürlich sagen, dass es 95% der zuschauer egal ist, ob das quempas-lied mit oder ohne klavier gesungen wird, aber man kann sich doch wenigstens um der musik willen mühe geben. und man will den chor doch auch musikalisch bilden und nicht nur irgendwie ein nettes programm auf die beine stellen. zu mal ich auch noch weiß, dass der leiter ebenfall in greifswald kirchenmusik studiert hat und eigentlich das nötige können und wissen hat. entweder er kann es nicht mehr oder er hat einfach kein interesse daran.

und das, was einen knabenchor eigentlich auszeichnen sollte, nämlich das besondere augenmerk auf die stimmbildung, fehlt meinem höreindruck nach. der chor ist mit 16 mitgliedern nicht gerade groß, aber besteht aus guten sängern, die sich auch was trauen und solistisch auftreten. und bei der größe sollte es doch wohl kein problem sein, sich mit den einzelnen sängern mal zu beschäftigen und sie stimmbildnerisch weiterzubringen. anscheinend wird nicht ein mal der aussprache oder der vokalfärbung aufmerksamkeit gewidmet. da ist unsere kinderchorarbeit besser.

der stil, der momentan im knabenchor gepflegt wird, ist gut für ein musikalisches intermezzo, aber keinesfalls geeignet, um ein ganzes konzert zu gestalten. es war ein ganz nettes programm und man muss sich nicht dafür schämen, es zu präsentieren, aber ich muss da nicht noch mal hin.

meine mitbewohnerinnen…

…haben gerade wirklich glück, dass sie nicht da sind. seit wochen wundere ich mich, dass mir vieles im kühlschrank so schnell verschimmelt, besonders wurst und fleisch. als ich mir heute hackfleisch zu meinen nudeln braten wollte, stellte ich fest, dass das fleisch so unappetitlich ergraut war. ich las auf der packung: “bei maximal +2°C zu verbrauchen bis 5.12.2010.” verfallsdatum eingehalten, also musste es an der temperatur liegen und ich lag richtig. irgendjemand hatte in einem anfall von umweltfreundlichkeit oder sonstwas den regler auf 1 gestellt. auf eins!!! laut thermometer waren 10°C im “kühl”schrank. dafür kanns im sommer nicht kalt genug sein. da stand der regler auf 5 und mir ist das gemüse zerfroren.

wieder einmal bin ich froh, dass auch ich wie meine schwester auch das talent zum kochen mitbekommen habe. jetzt gibts nudeln mit seelachsfilet.

jeder mensch…

…hat so seine macken und meine toleranzgrenze liegt da auch sehr hoch, aber manches bringt mich doch auf die palme. zum beispiel semiprofessionelle “meistersänger” die sich für musikalisch hochgebildet halten, weil sie das requiem von verdi mitsingen. dann stehen sie am besten mit klavierauszug in der hintersten reihe und singen alle stimmen mit oder wenigstens die anderen stimmen der eigenen lage. besonders bässe singen gerne mal beim tenor und bei den solisten mit. natürlich besonders laut, damit jeder hören, kann wie toll sie singen und wie gut sie zwischen den stimmen hin und her springen können. dabei merken sie gar nicht, dass sie selbst die treibenden kräfte sind, wenn der chor absackt. die kritischen stellen, die sie selbst nicht hinkriegen, überspielen sie dann, indem sie möglichst überzeugend – und von sich selbst überzeugt – einen ton reinbölken, der irgendwie in die harmonie passen könnte. meistens kommen sie dann einen ton zu hoch oder zu tief raus. anstatt dass sie mal hinzuhören, was die anderen singen, aber nein, sobald die intonation ins schwanen gerät, wird noch lauter gesungen, zu tief gesungen, noch lauter, noch tiefer gesungen. das sind meist auch die leute, die sich am wenigsten sagen lassen und einen scheiß auf die stimmbildnerischen tipps geben. schließlich wissen sie, was sie tun. oder sie kriegen das gar nicht mit, weil sie in jeder pause sofort anfangen, ihre nachbarn zu bespaßen, ob sie wollen oder nicht.

man kann nicht immer konzentriert mitarbeiten und fehler passieren, aber ich finde, spätestens in der generalprobe sollte man wirklich versuchen, sich zusammenzureißen. das würde eine menge zeit und nerven sparen.

in ein paar stunden stehen über 150 leute auf der bühne und geben ihr bestes und ich bin optimistisch, dass das konzert gut laufen wird. schließlich gilt die regel: je schlechter die generalprobe, desto besser konzert.

verdi2

ein laienchor…

…ist ein über lange zeit gewachsenes soziales gebilde. jeder leiter muss sich erst dessen respekt verdienen. hat der chorleiter sich erst mal mit dem chor angefreundet, sich seine sporen verdient, kann er ihn wirklich leiten. er kann ihn bitten, loben, anleiten, aber auch fordern, kritisieren und ermahnen. mit laienchören ist das viel komplizierter als mit einem berufschor, denn im laienchor besteht keine vertragliche verpflichtung. jedes chormitglied ist nur durch die liebe zur musik mit der gruppe verbunden und durchs gewissen dem chorleiter verpflichtet. ich will nicht sagen, dass berufssänger nur von geldgier angetrieben sind, aber es ist nun mal ein anstellungsverhältnis und der leiter ist der chef dem man sich unterzuordnen hat. wenn einem im laienchor der leiter nicht gefällt, kann man einfach gehen.

und nun zum eigentlichen:

heute war die gesamtchorprobe für mahlers achte sinfonie (sinfonie der tausend), die wir nächsten sonntag in wismar aufführen. erstmalig trafen vier laienchöre aufeinander: der uni-chor und der domchor aus greifswald und noch zwei ähnliche chöre aus stettin. später kam dann noch ein kinderchor aus rostock dazu. mit uns geprobt hat der generalmusikdirektor stefan malzew aus neubrandenburg. er wollte uns die gestalterischen aspekte des stückes vermitteln: dynamik, charakteristik, rhythmische besonderheiten und vieles mehr. so weit, so gut. das problem war, er kam tatsächlich in der erwartung, dass wir das alles perfekt können. der erste teil lief wirklich gut. das singt sich mal eben so weg und herr malzew war gut gelaunt und ein guter dirigent, aber zweite teil ist feingliedrig und wurde wohl von allen chorleitern unterschätzt. niemand konnte das so wirklich und damit konnte herr malzew nicht umgehen. in der tat sollte eine woche vor der aufführung alles sitzen. dass er aber ernsthaft erwartet, dass laienchöre in der vorgegebenen zeit in der einzigen gemeinsamen probe vor der generalprobe alles so können wie er sich das vorstellt, ist schlicht und einfach blauäugig. jetzt kann ich einerseits verstehen, dass man sich als künstlerischer gesamtleiter ärgert, aber selbst ein stefan malzew kann sich nicht aus dem nichts vor vier zusammengepuzzelte laienchöre (wie oben beschrieben) stellen und den chor so hart für die (zugegeben nicht wenigen) nicht beherrschten passagen kritisieren und im gleichen atemzug “gestehen”, dass er nicht weiß, wie man mit einem chor stücke einübt. wie kann man so naiv und nicht darauf eingestellt sein, bei laienchören nichts nachbessern zu müssen? er hat sich eindeutig gegenüber den chören und, wie ich gehört habe auch ihren leitern gegenüber, im ton vergriffen. würde ich mich herrn modeß (der jetzt die nachbesserungsarbeiten vor der generalprobe am samstag übernimmt) gegenüber nicht verpflichtet fühlen und ihn unterstützen wollen, wäre ich spätestens jetzt ausgestiegen.

ich will jetzt nicht sagen, dass das mein gesamteindruck vom stück und dessen dirigent ist. es ist lediglich meine ansicht des gerade erlebten und der ärger über die zweite hälfte wiegt deutlich schwerer als die freude über den ersten teil.

scheiße…

…wird ja schon lange zu geld gemacht. und jetzt sogar das kacken. der nachfolger des kuschel-wuschel-köter-klingeltons ist der kleine stinka (styla-sprache mit verwertet!). ein teddybär mit windel, der mit verzerrter stimme davon singt, wie es stinkt, wenn er sich in die hose kackt. der satz “drück mich fest und halt mich warm” setzt dem ganzen dann noch die krone auf. kkk: kommerz, körperfunktionen, kindchenschema – eine überaus erfolgreiche und überaus beschämende kombination.