…scheinen ein gen in sich zu tragen, das sie reflexartig dazu veranlasst, an der engsten stelle eines raumes stehenzubleiben. paradebeispiel dafür sind supermärkte. der discounter meines geringsten misstrauens (und mit der geringsten entfernung zu meiner wohnung) hat irgendwie ein generelles platzproblem. das einzige vergnügen der dortigen angestellten scheint es zu sein, durch geschickte platzierung von paletten voller nicht einsortierter waren und aufstellern mit non-food-sonderangeboten an strategisch kritischen stellen einen ausgeklügelten parcours aus nadelöhren zu konstruieren, wahrscheinlich um die kunden stück für stück in den wahnsinn zu treiben.
erreicht nun ein mensch mit oben beschriebenem gen (welches anscheinend dominant vererbt wird) eine solche engstelle setzt der engstellenreflex ein und die bislang gleichmäßige vorwärtsbewegung des am einkaufswagen aufrecht gehaltenen konsumentenkörpers kommt zum erliegen. um den reflex zu vertuschen, sucht sich der gebremste konsument ein vom discounter feilgebotenes objekt in der nähe, um die ungewollte paralyse zu legitimieren. hat der konsument glück, kann er sich alsbald aus der starre lösen und seinen einkauf normal fortsetzen. hat er pech, gerät er in die zwangslage, so viel interesse an einem produkt heucheln zu müssen, dass ihm letztendlich nichts anderes übrig bleibt, als es zu kaufen. anders kann ich mir den absatz von manchen produkten nicht erklären.
manchmal treten diese menschen auch in paaren oder dreiergruppen in erscheinung, um ein zufälliges treffen zu fingieren und die vorübergehende bewegungsunfähigkeit unter dem vorwand eines kleinen plausches gemeinsam zu überbrücken.
was mir allerdings unerklärlich ist, ist der den engstellenreflex zumeist begleitende drang, mit dem einkaufswagen eventuell verbliebene lücken, die ein vorbeikommen anderer ermöglichen würde, vollständig abzuriegeln. ich weiß nicht, ob das zum reflex dazugehört oder ob dies der reinen schlechtigkeit des menschen entspringt, die jenes opfer seiner eigenen fehlerhaften gene denken lässt, dass wenn es selbst schon leide, dessen mitmenschen nicht ungeschoren davonkommen sollen. warum sollen die anderen vorankommen, wenn ich es nicht kann, denkt sich der paralysekandidat und lenkt den wagen kurz vor eintreten der starre in den verbliebenen durchgang zwischen seiner selbst und dem regal mit den tütensuppen.
so bleibt einem als inhaber der vollen nadelöhrmobilität so mancher umweg nicht erspart. das ist noch nicht so schlimm, da sich die meisten gänge auch von der anderen seite erschließen lassen. weitaus ärgerlicher ist es, wenn sich erst kurz vor ende des regals das unheil offenbart und der vordermann kurz vor erreichen der nächsten breiten stelle gefährlich abbremst. da bleibt nur die hoffnung, dass ein spalt bleibt, der einen unversehrten durchgang ermöglicht.
natürlich gibt es auch menschen, die ohne ein engstellenreflexgen freude daran haben, den einkauf anderer zu behindern. das tun sie dann, indem sie sich ein noch unbesetztes nadelöhr suchen und ihren wagen dort platzieren. oder sie parken in zweiter reihe neben einem ordnungsgemäß abgestellten wagen. vielleicht sind es auch supermarktangestellte in zivil, die mit ihren “einkäufen” zusätzlich die gänge verstopfen und so die verweildauer der kunden erhöhen sollen.
so viel zum supermarkt. auch in der fußgängerzone kann man dieses phänomen beobachten. da dort aber das raumangebot meist weitaus größer ist und die einkaufswagen als zusätzliche wegsperre fehlen, setzt der reflex erst ein, wenn man als normal schnell gehender passant so dicht hinter einen potentiellen stehenbleiber gerät, dass ein zusammenprall nicht mehr zu vermeiden ist.
nun sind das noch recht unkritische beispiele. was aber, wenn in einem öffentlichen gebäude ein feuer ausbricht und alle zu den notausgängen stürmen? hoffen wir einfach, dass sowas nicht passiert. und wenn doch, bleibt zu hoffen, dass der überlebenswille den engstellenreflex überwindet.