…ist die schlimmste. am dienstag ist chorleitung dran, am freitag orgel, in der darauffolgenden woche gibts eine bis drei prüfungen am tag. mir wäre es am liebsten, wenn herr modeß auf mich zukommt und sagt: “überraschung, jetzt sind ihre prüfungen.” dann würde ich meine programme irgendwie abarbeiten, so gut wie ich gerade kann und dann wärs vorbei. dieses ewige warten macht mich fertig.
einerseits kann man beflügelt durch die prüfungspanik erstaunlich lange und effektiv üben, allerdings zehrt das doch sehr an den nerven. der ausgleich waren in dieser woche die gehäuften abendlichen veranstaltungen: die bachwochenhelferfeier (nicht zu verwechseln mit der bachwochennachfeier), fachschaftsvollversammlung mit grillen und das gestrige grillen bei meinem orgelprof zu hause. nächste woche steht dann allerdings nur noch üben auf dem programm. vielleicht lasse ich dafür dann auch mal domchor ausfallen.
da ich durch die feiern und das viele üben kaum zu hause war, konnte ich gar nicht über die bachwoche schreiben. es war toll, die schönste woche des semesters. es ist großartig, die prüfungen prüfungen sein zu lassen und sich nur den konzerten zu widmen. der tag begann mit der morgenmusik um zehn (beziehungsweise mit der probe dafür um neun) und endete nach der nachtmusik gegen halb eins. letztes jahr gabs nur eine etwas längere nachtmusik. es war schön, aber anstrengend zu verfolgen. jeden tag (oder jede nacht) eine halbe stunde musik ist viel besser. ich liebe diese nachtkonzerte wegen ihrer atmosphäre. der dom ist nur schwach von gedimmten lampen und kerzen beleuchtet, und ein cellist im barock-kostüm spielt eine cellosuite von bach. besser kann ein tag voller musik nicht ausklingen.
ich war dieses jahr stärker beschäftigt als letztes. es gab drei große domchor-auftritte, statt “nur” zwei, das nachtgebet mit dem kammerchor, den satirischen abend mit dem thema “rente mit 65?” anlässlich der 65. bachwoche, das orasical (eine mischung aus oratorium und musical) von modeß bei dem ich auch eine kleine sprechrolle hatte, die zwei kinderkonzerte bei denen wir wegen des kinderchorseminars mithelfen mussten und natürlich die morgenmusiken. die zeit zwischen den veranstaltungen hat man meistens mit kaffeetrinken überbrückt und so hat man eben den ganzen tag in der innenstadt, nicht selten im anzug, verbracht. da könnte ich mich dran gewöhnen.

die konzerte waren bei weitem nicht perfekt (ist eben live), aber alle boten ein großes erfolgserlebnis. die domchorkonzerte haben die größte aufmerksamkeit verdient. das erste konzert war die uraufführung des engeloratoriums von bach, naja, nicht ganz von bach. herr modeß hat wegen des bachwochenthemas “eng(e)lisch” aus den bachschen chorwerken ein engeloratorium zusammengestellt. es beleuchtete die rolle der engel auf dem weg jesu. es hat spaß gemacht, ein so großes werk zu singen und dabei durch alle kirchenjahreszeiten zu gehen. wenn man ein werk von bach hört, bekommt man ja nur eine kirchenjahreszeit und die dafür charakteristische musik und instrumentierung mit. hier erlebte man alles: hörner zu weihnachten, blockflöten in der passionszeit, pauken und trompeten zu ostern und himmelfahrt. es hat riesigen spaß gemacht, so viele größere chorstücke von bach zu singen. jeder der sowas schon mal gesungen hat, weiß wohl, wovon ich rede.
das zweite domchorkonzert war die “auferstehung jesu nach johannes” von sofia gubaidulina. das sollte ja schon letztes jahr stattfinden, aber wegen vieler probleme haben wir uns (auch auf geheiß der komponistin) auf die passion beschränkt. dieses jahr gabs also ostern, das für ein eigenes konzert allerdings zu kurz gewesen wäre. davor wurde noch das violinkonzert von alban berg aufgeführt, passenderweise mit dem titel “dem andenken eines engels”. domchor und orchester waren gut, allerdings war greifvocal ein wenig enttäuschend. greifvocal ist ein kammerchor, der aus sehr musikalischen sängern (darunter auch viele kantoren) besteht und der sich nur alle paar wochen zu einer längeren probe trifft. man hat gemerkt, dass die leute keine lust hatten, sich auf diese musik einzulassen. im domchor waren wir auch skeptisch, aber je mehr wir uns mit dem werk beschäftigt haben, desto besser verstanden wir es. greifvocal hat im konzert viele einsätze verpasst, und die quote an richtigen tönen war deutlich geringer als im domchor. trotzdem hatte das werk im ganzen eine große wirkung.

der dritte domchor-abend war auch das abschlusskonzert der bachwoche. es wir wieder ein modernes werk, aber ganz anders als das von gubaidulina: “a child of our time” von michael tippet. es bedient sich barocker stilelemente wie rezitative und arien, und konventioneller kompositorischer mittel, erweitert um die freiheiten der modernen musik wie erweiterte tonaltität und ungewöhnlicher rhythmen. die musik hat große symbolkraft und birgt vieles, was man nicht sofort hört. zur auflockerung sind gefühlsbetonte (aber nicht kitschige) spirituals eingearbeitet. es war ein tolles abschlusskonzert und danach gings gleich in die kimu zum feiern. es gab dankesreden und dann viel zu essen und zu trinken. die meisten gingen gegen mitternacht, der harte kern blieb bis drei uhr, die ganz harten (zu denen ich nicht gehörte) blieben bis fünf.

damit war dann die bachwoche beendet und ich freue mich schon wieder aufs nächste jahr. allerdings wärs ja langweilig, jetzt schon für die nächste bachwoche zu proben. für den november ist erstmal “das weltgericht” von friedrich schneider geplant.