an manchen tagen…

…sollte man lieber im bett bleiben. freitag war so ein tag, doch zunächst die vorgeschichte. als die vorlesungszeit zuende ging, hatte ich das dringende bedürfnis, mal aus greifswald rauszukommen. leider war es mir wegen diversen terminen und unter anderem auch wegen des ärgers mit den haushaltsplänen in den ersten zwei wochen der semesterferien nicht vergönnt, wegzufahren.

letztes wochenende war es endlich soweit.  ich fuhr nach halle zu einem chorleiterseminar der volkssolidarität. das war allerdings ein laienseminar und ich habe jetzt nicht so sehr viel dazugelernt. aber es schadet auch nicht, den bezug zur basis zu behalten und ich habe ein paar nette leute kennengelernt. zusätzlichen reiz bot der veranstaltungsort des seminars: das maritimhotel. wer schlägt schon ein kostenloses wochenende in einer 4-sterne-unterkunft mit vollpension aus?

geleitet wurde das seminar von rolf schneider, der für seine 81 jahre erstaunlich vital wirkt, manchmal ein wenig zu sehr. er fährt schnell aus der haut und jede frage entfesselt einen mindestens zehnminütigen monolog, in dem die antwort nicht unbedingt enthalten sein muss. er hat uns auch die organisation des chortreffens im juni dargelegt und ich bin gespannt, ob das funktioniert. es klang gut durchdacht, aber das ist es in der theorie ja meistens.

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am sonntag fuhr ich weiter nach dresden, wo ich ein paar wunderbare tage verbrachte. ich besuchte zuerst meine tante, die mir einen blick hinter die kulissen der oper ermöglichte, allerdings nur soweit die vorschriften es erlaubten und die erlauben nur die garderoben und die kantine.

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am montagabend waren wir dann als besucher in der oper und haben uns das dresden-requiem von lera auerbach angehört, eine auftragskomposition anlässlich des jahrestages der bombariderung dresdens.

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da meine tante und mein onkel zur arbeitenden bevölkerung gehören, konnten die sich natürlich nicht ständig um mich kümmern. also war ich allein in der stadt unterwegs. im albertinum habe ich mir zeitgenössische kunst angesehen, die eine breite palette von tiefsinnig bis absolut unsinnig (sowas denkt natürlich nur der ungebildete laie) abdeckt.

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im historischen grünen gewölbe konnte ich dann meine vorstellungskraft trainieren. es war schon beeindruckend, eine so große ansammlung von handwerklichen meisterleistungen zu sehen. es ist schon eine kunst, gebrauchsgegenstände so zu artifizieren, dass sie absolut nutzlos werden. die audioguides reden von prunkvollen räumen, in denen sich das licht tausendfach spiegelt und in denen die vielen kunstwerke in überwältigender pracht glänzen. sich das vorzustellen erfodert ein bisschen fantasie in diesen halbdunklen räumen mit geschlossenen fensterläden, in denen ein großteil der konsolen und regale leer ist. sehenswert ist es aber allemal.

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mittwoch und donnerstag besuchte ich eine schulfreundin, die in dresden chemie studiert. so lernte ich die uni und vor allem das chemielabor kennen, allerdings, wie ich mir habe sagen lassen, in einem unrealistischen zustand, denn es war sauber und aufgeräumt.

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am freitag wars dann vorbei mit der gemütlichkeit. um halb acht musste ich aufstehen, um meinen zug heimwärts zu kriegen. nach fünfeinhalb stunden fahrt kam ich in greifswald an und dann begann eine filmreife serie an missgeschicken. ich hatte mich erinnert, dass an jenem freitag die rückmeldefrist fürs folgesemester endet, also musste ich schleunigst online die rückmeldegebühr überweisen. bei meiner bank geht das mit einem tan-gerät. man steckt seine karte rein, gibt zwei zahlen ein und die tan wird ausgespuckt. von dem mistding waren aber plötzlich die batterien leer. ich wusste zum glück, wo ich ein ersatzgerät finde und nach zwanzig minuten war die überweisung fertig.

ich musste allerdings bald los nach stralsund zum flötenunterricht. also noch schnell die stücke aufgewärmt und nach fünf minuten bat mich meine mitbewohnerin, doch bitte leise zu sein, weil sie lernen müsse. ich konnte sie mit dem versprechen, in einer halben stunde weg zu sein, beruhigen. dann losstürmen zum zug. eigentlich wollte ich noch was essen, denn das letzte essen war mein frühstück um acht. zum glück gibts in stralsund am bahnhof einen mcdoof.

leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn im zug stellte ich fest, dass mein portmonee noch zu hause auf dem schreibtisch lag. da saß ich nun hungrig im zug, ohne geld und ohne ticket. ich hatte glück und es kam kein schaffner.

in der musikschule angekommen musste ich meine lehrerin erst mal um geld anpumpen, was zum glück kein problem war. ich wollte zehn euro und bekam zwölf – zur sicherheit. als nächstes sah meine lehrerin, dass ich wohl in katzenscheiße getreten sein muss und zwar nicht zu knapp. so stand erst mal gemeinsames putzen an; ich putzte meine schuhe, sie den fußboden. gott sein dank hat diese frau humor. wieder mal glück gehabt.

nach dem unterricht setzte ich mich mit meinen geliehenen zwölf euro in den zug und fuhr richtung anklam. diesmal kam eine schaffnerin und ich musste ein ticket nachlösen. leider kostete es 12,20€. noch ein mal hatte ich glück: ich rief ins abteil, ob mir jemand zwanzig cent schenken möchte und tatsächlich fand sich sofort jemand. sogar noch mehr leute um mich herum wühlten in ihren portmonees. das fand ich beeindruckend.

schließlich kam ich in anklam an und konnte endlich was essen. dieser verflixte tag, der im rückblick doch ein guter tag war, nahm endlich ein ende. mehrmals war ich selbstverschuldet in schwierigkeiten und mehrmals haben mir (mehr oder weniger) fremde aus der patsche geholfen. dafür bin ich dankbar.

dieser tag hat übrigens noch einen epilog: ich hatte für heute zwei gottesdienstvertretungen angenommen und nichts vorher geübt, weil ich mich zwingen wollte, sowas mal ohne ewige vorbereitung zu machen. ich hatte nur noch den samstagnachmittag zum üben. leider musste ich feststellen, dass ich nichts zum üben mitgenommen hatte; kein gesangbuch, keine orgelnoten und einen schlüssel für die kirchen hatte ich auch nicht. also fuhr ich wieder nach greifswald, holte den ganzen kram und übte gleich dort.

die gottesdienste liefen ganz gut. jedenfalls hat sich niemand beschwert.