an manchen tagen…

…sollte man lieber im bett bleiben. freitag war so ein tag, doch zunächst die vorgeschichte. als die vorlesungszeit zuende ging, hatte ich das dringende bedürfnis, mal aus greifswald rauszukommen. leider war es mir wegen diversen terminen und unter anderem auch wegen des ärgers mit den haushaltsplänen in den ersten zwei wochen der semesterferien nicht vergönnt, wegzufahren.

letztes wochenende war es endlich soweit.  ich fuhr nach halle zu einem chorleiterseminar der volkssolidarität. das war allerdings ein laienseminar und ich habe jetzt nicht so sehr viel dazugelernt. aber es schadet auch nicht, den bezug zur basis zu behalten und ich habe ein paar nette leute kennengelernt. zusätzlichen reiz bot der veranstaltungsort des seminars: das maritimhotel. wer schlägt schon ein kostenloses wochenende in einer 4-sterne-unterkunft mit vollpension aus?

geleitet wurde das seminar von rolf schneider, der für seine 81 jahre erstaunlich vital wirkt, manchmal ein wenig zu sehr. er fährt schnell aus der haut und jede frage entfesselt einen mindestens zehnminütigen monolog, in dem die antwort nicht unbedingt enthalten sein muss. er hat uns auch die organisation des chortreffens im juni dargelegt und ich bin gespannt, ob das funktioniert. es klang gut durchdacht, aber das ist es in der theorie ja meistens.

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am sonntag fuhr ich weiter nach dresden, wo ich ein paar wunderbare tage verbrachte. ich besuchte zuerst meine tante, die mir einen blick hinter die kulissen der oper ermöglichte, allerdings nur soweit die vorschriften es erlaubten und die erlauben nur die garderoben und die kantine.

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am montagabend waren wir dann als besucher in der oper und haben uns das dresden-requiem von lera auerbach angehört, eine auftragskomposition anlässlich des jahrestages der bombariderung dresdens.

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da meine tante und mein onkel zur arbeitenden bevölkerung gehören, konnten die sich natürlich nicht ständig um mich kümmern. also war ich allein in der stadt unterwegs. im albertinum habe ich mir zeitgenössische kunst angesehen, die eine breite palette von tiefsinnig bis absolut unsinnig (sowas denkt natürlich nur der ungebildete laie) abdeckt.

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im historischen grünen gewölbe konnte ich dann meine vorstellungskraft trainieren. es war schon beeindruckend, eine so große ansammlung von handwerklichen meisterleistungen zu sehen. es ist schon eine kunst, gebrauchsgegenstände so zu artifizieren, dass sie absolut nutzlos werden. die audioguides reden von prunkvollen räumen, in denen sich das licht tausendfach spiegelt und in denen die vielen kunstwerke in überwältigender pracht glänzen. sich das vorzustellen erfodert ein bisschen fantasie in diesen halbdunklen räumen mit geschlossenen fensterläden, in denen ein großteil der konsolen und regale leer ist. sehenswert ist es aber allemal.

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mittwoch und donnerstag besuchte ich eine schulfreundin, die in dresden chemie studiert. so lernte ich die uni und vor allem das chemielabor kennen, allerdings, wie ich mir habe sagen lassen, in einem unrealistischen zustand, denn es war sauber und aufgeräumt.

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am freitag wars dann vorbei mit der gemütlichkeit. um halb acht musste ich aufstehen, um meinen zug heimwärts zu kriegen. nach fünfeinhalb stunden fahrt kam ich in greifswald an und dann begann eine filmreife serie an missgeschicken. ich hatte mich erinnert, dass an jenem freitag die rückmeldefrist fürs folgesemester endet, also musste ich schleunigst online die rückmeldegebühr überweisen. bei meiner bank geht das mit einem tan-gerät. man steckt seine karte rein, gibt zwei zahlen ein und die tan wird ausgespuckt. von dem mistding waren aber plötzlich die batterien leer. ich wusste zum glück, wo ich ein ersatzgerät finde und nach zwanzig minuten war die überweisung fertig.

ich musste allerdings bald los nach stralsund zum flötenunterricht. also noch schnell die stücke aufgewärmt und nach fünf minuten bat mich meine mitbewohnerin, doch bitte leise zu sein, weil sie lernen müsse. ich konnte sie mit dem versprechen, in einer halben stunde weg zu sein, beruhigen. dann losstürmen zum zug. eigentlich wollte ich noch was essen, denn das letzte essen war mein frühstück um acht. zum glück gibts in stralsund am bahnhof einen mcdoof.

leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn im zug stellte ich fest, dass mein portmonee noch zu hause auf dem schreibtisch lag. da saß ich nun hungrig im zug, ohne geld und ohne ticket. ich hatte glück und es kam kein schaffner.

in der musikschule angekommen musste ich meine lehrerin erst mal um geld anpumpen, was zum glück kein problem war. ich wollte zehn euro und bekam zwölf – zur sicherheit. als nächstes sah meine lehrerin, dass ich wohl in katzenscheiße getreten sein muss und zwar nicht zu knapp. so stand erst mal gemeinsames putzen an; ich putzte meine schuhe, sie den fußboden. gott sein dank hat diese frau humor. wieder mal glück gehabt.

nach dem unterricht setzte ich mich mit meinen geliehenen zwölf euro in den zug und fuhr richtung anklam. diesmal kam eine schaffnerin und ich musste ein ticket nachlösen. leider kostete es 12,20€. noch ein mal hatte ich glück: ich rief ins abteil, ob mir jemand zwanzig cent schenken möchte und tatsächlich fand sich sofort jemand. sogar noch mehr leute um mich herum wühlten in ihren portmonees. das fand ich beeindruckend.

schließlich kam ich in anklam an und konnte endlich was essen. dieser verflixte tag, der im rückblick doch ein guter tag war, nahm endlich ein ende. mehrmals war ich selbstverschuldet in schwierigkeiten und mehrmals haben mir (mehr oder weniger) fremde aus der patsche geholfen. dafür bin ich dankbar.

dieser tag hat übrigens noch einen epilog: ich hatte für heute zwei gottesdienstvertretungen angenommen und nichts vorher geübt, weil ich mich zwingen wollte, sowas mal ohne ewige vorbereitung zu machen. ich hatte nur noch den samstagnachmittag zum üben. leider musste ich feststellen, dass ich nichts zum üben mitgenommen hatte; kein gesangbuch, keine orgelnoten und einen schlüssel für die kirchen hatte ich auch nicht. also fuhr ich wieder nach greifswald, holte den ganzen kram und übte gleich dort.

die gottesdienste liefen ganz gut. jedenfalls hat sich niemand beschwert.

verantwortung zu tragen…

…kann echt anstrengend sein. wir sind als neuer fachschaftsrat noch nicht mal richtig im amt und schon haben wir probleme, denn irgendwas stimmt mit dem haushalt nicht. mit öffentlichen geldern um sich zu schmeißen ist nur halb so spaßig, wie es sich anhört, denn man muss jeden cent akribisch dokumentieren. leider sahen unsere vorgänger das eher lax und jetzt haben wir den ganzen mist am hals.

anscheinend hat niemand registriert, dass es irgendwie unlogisch ist, wenn man immer positiv wirtschaftet und die rücklagen trotzdem schrumpfen. wäre ja nur halb so schlimm, wenn es ein reiner rechenfehler wäre, aber das geld ist leider wirklich weg und wohin, weiß keiner. heute sind wir erstmal zum asta (allgemeiner studierendenausschuss) gegangen und haben uns erklären lassen, wie man so einen haushalt richtig aufstellt. das wissen um diese hohe kunst scheint in den letzten drei oder vier amtsperioden verlorengegangen zu sein.

ich hatte es ja irgendwie geahnt. kaum sind wir mal am drücker, kommen die großen probleme.

während andere…

…noch prüfungen haben und für klausuren lernen müssen, kann ich mich endlich ein wenig zurücklehnen. nach dem vordiplom gönne ich mir mal ein prüfungsfreies semester. ich hätte anfang des semesters ein blockseminar belegen und jetzt meine liturgik-prüfung machen können, aber da hatte ich irgendwie keine lust drauf. ich weiß, dass ich mich ein jahr später darüber ärgern werde.

die vergangene woche war ereignisreich und ausnahmsweise waren die meisten termine sehr angenehm. am montag hat mein klavierlehrer alle seine schüler zum abendessen zu sich nach hause eingeladen. erst gab es leckeres essen und danach haben wir noch einen  film geguckt. der musste natürlich mit klavieren zu tun haben und so fiel die wahl auf “shine – der weg ins licht”. es war ein toller film über den pianisten david helfgott, der wegen einer psychischen krankheit ständig auf der grenze zwischen genie und wahnsinn balanciert. eine große rolle spielte dabei das dritte klavierkonzert von rachmaninow, mit dem helfgott sein großes debut hatte. es hat sich inzwischen herausgestellt, dass helfgott im mai in leipzig mit ebenjenem klavierkonzert auftritt.

am mittwochabend fand ein konzert im hinblick auf den 60. geburtstag unseres musikwissenschaftsprofs statt und alle mitarbeiter des instituts haben einen beitrag geleistet. der abend drehte sich hauptsächlich um die forschungsschwerpunkte unseres profs: heinrich schütz und richard strauss. von ersterem gab es motetten und kleine geistliche konzerte, von letzterem hauptsächlich lieder, aber auch der kammerchor hat eine motette von strauss gesungen. pragmatischerweise war es “die göttin im putzzimmer”, da sie die einzige achtstimmige war. die anderen waren alle sechzehnstimmige monumentalwerke. diese dinger sind ziemlich schwer, weil strauss sich sehr fantasievoll in den tonarten bewegt und stimmlich sehr in die extreme geht. die aufführung vom kammerchor war nicht gerade cd-reif.

wegen meiner kehlkopfentzündung konnte ich ja nun nicht mitsingen und ich hatte mich schon auf einen entspannten abend als zuhörer gefreut. es kam allerdings anders. mittags fand noch ein letztes vorspiel im institut statt und das habe ich genutzt, um  ein stück von p.d.q. bach endlich abzuschließen, das ich zum semesteranfang mal mehr oder weniger aus spaß begonnen hatte. danach kam von modeß das angebot: “heute abend gleich noch mal?”

ich war mir nicht sicher, ob es klug war, aber ich nahm an. allein schon wegen der gelegenheit, an einem sehr guten (und sehr teuren) steinway-flügel zu spielen. trotz der aufregung und des zeitdrucks (ich musste mich am nachmittag ja wenigstens mal mit dem guten stück bekannt machen) war es ein genuss, daran zu spielen. so eine präzision hatte ich noch nie erlebt. nach dem konzert gabs natürlich noch eine aftershowparty mit buffet und getränken.

das mittagsvorspiel wurde übrigens auch gleich als photoshooting genutzt. meine hände werden dann vielleicht mal auf einer broschüre des instituts auftauchen. “die finger schön krümmen, das sieht sonst nicht aus!”

den donnerstag verbrachten wir zusammen mit rostocker studenten und chorleitern aus der gegend bei einem blockseminar über kinderchorleitung, geleitet von robert göstl, dem ersten professor für das singen mit kindern. es war sehr interessant und äußerst unterhaltsam. ich habe mich ein wenig gefühlt wie bei michael mittermeier, denn dialekt und art der gags waren sehr ähnlich.

abends hatten wir unsere abschlussveranstaltung im rezitativdirigieren. das ist sozusagen der beginn unserer orchesterleitungsausbildung, wo wir lernen, barocke rezitative zu dirigieren und das ist gar nicht so einfach. man muss einerseits entscheidungen über die genaue gestaltung treffen und das auch dem orchester vermitteln, aber andererseits muss man sich vor allem im tempo nach dem solisten richten. der unterricht fand sonst immer am klavier statt (einer schlägt, einer singt, einer bis zwei spielen), aber den abschluss bildete die arbeit mit einem streicherensemble. das ist irgendwie noch mal was ganz anderes, wenn man statt ein bis zwei plötzlich acht menschen anleiten soll.

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der freitag begann mit einer zwanzigminütigen klavierstunde, in der ich mit meinem lehrer mozart vierhändig vom blatt gespielt habe. (nicht der lehrer heißt mozart, sonden die stücke waren von mozart.) ich habe beim blattspielen die auffassungsgabe und das reaktionsvermögen eines narkotisierten faultiers und so war es doch recht unterhaltsam. weiter ging es mit dem chorpraxisseminar, wo wir in vorbereitung auf einzelstimmenproben bachs h-moll-messe gespielt haben. zu viert an zwei klavieren,  jeder eine stimme. unglaublich, was da alles schief laufen kann. aber so lernt man gleich die problemstellen kennen, denn die erfahrung zeigt, dass das was am klavier schief geht, auch beim singen schwer fällt.

mittags stand dann noch eine kleine chorleitungsprüfung an und danach gabs gemeinsames pizzaessen inklusive sekt und nachtisch. das hätte ein so schöner abschluss sein können, aber nein, abends gabs von sechs bis acht noch tonsatzunterricht. es gibt schöneres, aber wir haben uns die stunde mit einer prise chauvinismus aufgepeppt.

jetzt muss ich noch die nächste woche überstehen. ein paar unterrichtsstunden müssen nachgeholt werden, ich muss einigen prüfungen beiwohnen und da ich jetzt auch noch mitglied des fachschaftsrates bin, kommen sicherlich noch ein paar einarbeitungsprozeduren auf mich zu.

jetzt muss ich nur noch alle meine termine der nächsten zwei monate in eine sinnvolle ordnung bringen. auf der liste stehen besuche in halle, dresden, eisenach, berlin, rostock und buxtehude.

gute vorsätze…

…sind eigentlich nicht so mein fall. um so gewichtiger sind sie, wenn ich mir mal welche mache und der größte vorsatz für 2012 war sport zu treiben. und heute habe ich es tatsächlich geschafft. mit zwei kommilitonen bin ich in ein kleines fitnessstudio gegangen und sie haben mich gute zwei stunden in diversen übungen unterwiesen. meine arme fühlen sich an wie gummi. sehr schweres gummi. jetzt gilt es, den muskelkater über die nächsten tage zu überleben. das wird das orgel- und flötespielen und vor allem das dirigieren nicht gerade leichter machen.

eigentlich wollte ich damit schon im dezember anfangen, aber dann kam erst mal die kehlkopfentzündung dazwischen und da habe ich gerade mal die unisachen auf die reihe gekriegt. nach weihnachten werden jetzt noch alle termine abgefeiert, die im dezember keinen platz hatten: semesterabschlussvorspiele, prüfungen und diverse andere abendfüllende ereignisse. das nächste training muss also bis samstag warten.

die kehlkopfentzündung ist schon nahezuabgeheilt. ich darf sogar wieder ein bisschen singen und das sprechen geht auch schon fast wieder normal. nach zwei monaten endlich ein lichtblick.

die letzte kantate…

…vom weihnachtsoratorium ist gesungen. ich konnte wieder leider nur zuhören, aber es hat unglaublichen spaß gemacht. die freude am musizieren war förmlich greifbar.

für alle ausführenden fand dann noch eine nachfeier statt und auf anchfrage diverser leute bin ich auch noch mitgekommen. es gab zu essen und zu trinken, nur konnte ich mcih leider nciht so an den gesprächen beteiligen. jeder musiker bekam außerdem einen “wo-orden” und zwar in der reihenfolge, wie sie in der partitur stehen. sogar ich bekam einen “kehlkopf-schutz-orden”. mein auftritt war ja leider durch höhere gewalt vereitelt worden.

sogar jeder chorsänger bekam einen orden und so konnten wir alle hochdekoriert das wirklich gelungene projekt ausklingen lassen.

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wer braucht noch getränke…

…für die nächste party? bedürftigen sei eine zoll-auktion ans herz gelegt: 46462 dosen bier mit einem gegenwärtigen gebot von 11615€.

ein neues jahr…

…ist da. das ist schon mal unbequem, weil ich jetzt wieder drei mal nachdenken muss, wenn ich irgendwo ein datum hinschreiben muss. weihnachten war schön wie immer, ich habe ein paar schulfreunde getroffen, konnte das weihnachtskonzert vom schulchor besuchen, das ganz in ordnung war und wieder meinen ehrgeiz angestachelt hat, eines tages mehr aus diesen schülern rauszuholen. die schüler sahen nicht aus, als ob ihnen das musikmachen spaß macht. das muss sich doch ändern lassen.

ich wurde zu weihnachten reich beschenkt mit lauter nützlichen sachen. letztes jahr war ich ein wenig geknickt, weil ich keinen pullover bekommen habe, um so mehr habe ich mich über den diesjährigen gefreut. außerdem gabs ncoh einen handlichen terminkalender, damit ich meine ganzen absprachen besser auf die reihe kriege, geld für eine magnetpinnwand, damit die vielen losen zettel nicht mehr auf dem schreibtisch oder fußboden rum[f]liegen und ein teestick, damit der lose tee nicht in der tasse rumschwimmt. teetrinken ist die übersprunghandlung schlechthin, wenn man keine lust hat üben zu gehen. am meisten spaß habe ich allerdings an meinem neuen taktstock. damit fühl ich mich unglaublich professionell.

den jahreswechsel habe ich zusammen mit meinen eltern in rostock bei meiner schwester und ihrem freund verbracht. sie wohnen jetzt in einer hübschen neubauwohnung im fünften stock. ohne fahrstuhl. da überlegt man sich zwei mal, ob man alles dabei hat, bevor man hoch oder runter geht. aber die aussicht war toll. wir konnten um mitternacht auf dem balkon mit sekt anstoßen und genossen die aussicht auf die immer größeren und zahlreicheren feuerspiele. aber natürlich mussten wir auch zeigen, dass wir da sind und verheizten eine menge geld, größtenteils meins. ich werd bei sowas immer schwach.

ein wenig überschattet wurden die feiertage von meiner anhaltenden kehlkopfentzündung. sprechen geht nur begrenzt und singen gar nicht. und das schon seit vier wochen. man fühlt sich sehr isoliert, wenn man in fröhlicher runde nur schweigend dabeisitzen kann. gerade singen bringt für mich den größten spaß im studium und gerade das bleibt mir nun verwehrt, aber ich darf nichts riskieren. die gefahr bleibender schäden ist zu hoch. ich habe mir sagen lassen, dass es noch ein bis zwei monate dauern kann, bis alles verheilt ist. eigentlich wollte ich ja an neujahr im dom bei der vierten und fünften kantate vom weihnachtsoratoratorium die soli übernehmen, aber das musste ich nu absagen. ich hatte erst einige tage vorher abgesagt, als mir klar wurde, dass das nichts wird und stand sogar noch im programm. ich habe es mir aber mit meinen eltern angehört und mein vertreter war recht gut anzuhören. ich bekam dann noch einige liebe genesungswünsche von domchormitsängern.

die nächsten tage muss ich mir noch überlegen, wie ich meine chorarbeit ohne singen gestalte. klavierspielen ist nun nicht gerade meine stärke, aber irgendwie muss ich mich drauf einrichten.

und wieder mal…

…ist weihnachten.

für mich ist es nicht so schön, wie es hätte sein können, denn meine kehlkopfentzündung ist noch nicht ausgeheilt. ich habe eine menge geld für diverse medikamente ausgegeben und fühle mich schon wie ein schwerstkranker: mehrere fläschchen und schachteln mit tabletten und ein kalt-inhalator mit kompressor, was eher an ein beatmungsgerät erinnert.

leider kann ich auch (wie schon seit drei wochen) nicht singen und das gerade, wenn in greifswald das weihnachtsoratorium zum mitsingen läuft. ich hoffe noch, dass ich bis neujahr wieder weitestgehend genesen bin, denn da bin ich für die vierte und fünfte kantate als solist gemeldet. mal sehen, ob das was wird. singen ist zwar viel für mich, aber nicht alles. ich denke, es wird trotzdem ein schönes weihnachten, zumal maria ja wieder da ist.

meinem erlauchten leserkreis wünsche ich ein frohes und besinnliches weihnachtsfest.

am nächsten tag bekamen wir eine kleine führung durch porto alegre, sahen uns die innenstadt, historische gebäude und kirchen an. interessant war der mercado público, der wohl urspünglich mal ein marktplatz war, später mit einem gebäude umbaut und in der neuzeit überdacht wurde. so wurde dann aus dem platz eine markthalle mit fest eingebauten ständen. ich habe mich ein wenig gefühlt wie auf der grünen woche. porto alegre befindet sich wie auch viele deutsche städte im wandel. der hafen hat so sehr an bedeutung verloren, dass er geschlossen wurde und nun für die touristische nutzung umgestaltet werden soll. die damit verbundenen ämter (wie das zollamt) wurden geschlossen, warten auf sanierung und neue nutzung.

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nach dem sightseeing haben wir noch ein wenig zeit in der einkaufsstraße verbracht und dann machten wir uns auf den weg zum centro cultural 25 de julho, dessen name sich auf das ankunftsdatum der ersten deutschen einwanderer (25. juli 1824) bezieht. dort war wieder ein konzert angesetzt, allerdings mit leicht abgeändertem programm. wir strichen ein paar punkte unseres vollkommen geistlichen programms und nahmen dafür ein paar volkslieder und sogar männerchorstücke, die wir noch hastig einübten, hinein. letztere waren dann in der intonation etwas fragwürdig, aber fanden trotzdem anklang. das kulturzentrum trug auch etwas zum programm bei, nämlich mit einem männerchor. sie sangen eher brasilianische lieder und waren intonationsmäßig noch schlechter als wir, aber es war ach ein laienchor. nach dem konzert hörten wir uns noch einen gemischten chor an und die waren richtig gut. die sänger versammelten sich locker im flur und sangen vollkommen auswendig tolle pop- und jazzstücke.

ganz entgegen unserer gewohnheit, gab es nichts zu essen. wir fanden das jetzt nicht schlimm, unsere gastgeberin zeigte sich jedoch überaus entrüstet, als wir beim abendessen darauf zu sprechen kamen. diese leute im kulturzentreum seien “pão-duro” (“hartes brot” – geizig).

unser letzter ganzer tag in brasilien brach an. morgens sangen wir im gottesdienst der nahen gemeinde, wo wir abends auch unser letztes konzert geben sollten. witzigerweise wurden die lieder dort mit “doppelcontinuo” (wie man es bei barocker musik sagen würde) begleitet. das heißt, es spielten gleichzeitig klavier und e-orgel, sodass einerseits harmonien permanent klangen und durch das klavier eine percussive komponente dazukam. glücklicherweise spielten beide immer die gleichen harmonien, sodass keine bitonale begleitung entstand. das hätte nicht wirklich gepasst.

nach dem gottesdienst stellte die gemeinde wieder mal ein tolles mittagessen für uns bereit. bis zum konzert am späten nachmittag war  nichts geplant, also fuhren wir gruppenweise mit dem bus in die innenstadt zu einem riesigen stadtpark, wo ein großer handwerksmarkt stattfand. es waren stände aufgebaut, die alle mehr oder weniger nützliche dinge verkauften und natürlich gab es dort auch straßenmusiker. so vertrieben wir uns die zeit, bis wir zurück mussten und da tat sich dann auch schon der haken auf. wir wussten nicht, welche linie zu unserer kirche fuhr und es gab auch keine pläne aus denen das ersichtlich war. zwei von uns stiegen also in jeden bus, von dem wir meinten, der könnte es sein, und fragten den fahrer, ob er dort hin fuhr, wo wir hin wollten. einmal machte der fahrer einfach die tür zu und fuhr los, lies die beiden aber zum glück fünzig meter weiter an der nächsten roten ampel raus. irgendwie haben wirs aber doch noch mit zwei bussen und ein wenig fußmarsch geschafft, rechtzeitig an unser ziel zu kommen.

eigentlich war ein deutsch-brasilianisches chortreffen geplant. vier lokale chöre und wir sollten jeweils ein paar stücke singen und zum schluss sollte gemeinsam die choralkantate “verleih uns frieden” von mendelssohn erklingen. leider war anscheinend die beteiligung der lokalen chöre zu gering. also sangen wir unser ganzes programm und zum schluss kamen dann die anwesenden brasilianischen chorsänger dazu und sangen mit uns zusammen den mendelssohn. es hat spaß gemacht, mal wieder mit etwas stärkerer besetzung zu singen.

nach dem konzert gabs ein gemeinsames abendessen, das wiederum die gemeinde bereitstellte. da es unser letzter abend war, wollten wir noch feiern und was trinken gehen, aber in der gegend gab es keine bars und die innenstadt war ein ganzes ende entfernt. wir beschlossen spontan, alle zu unserer gastgeberin nach hause einzuladen. wozu hat die schließlich einen partyraum? allerdings ging jeder erstmal zu “sich” nach hause und wir hatten ein wenig zeit, unsere gastmutter auf die ankunft einiger gäste vorzubereiten. glücklicherweise hatten wir sie richtig eingeschätzt und sie hatte kein problem damit. interessanterweise hatte sie auch noch besuch, nämlich von ihrer schwester und deren tochter plus familie, die eine 200km lange autofahrt auf sich genommen haben, nur um uns singen und herrn modeß dann abends klavier spielen zu hören. so saßen wir erst im wohnzimmer zusammen, tranken wein und aßen schon wieder und als die familie abfuhr, trudelten bald unsere leute ein und der abend verlagerte sich in den partyraum.

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mangels limetten haben wir versucht, caipirinha mit orangen zu mixen. das war allerdings mittelmäßig scheußlich und ich hatte am nächsten tag erstmal leichte magenprobleme. ansonsten war der abend allerdings sehr schön, wenn auch nicht so exorbitant lang, denn am nächsten tag war abreise.

der flug sollte erst abends gehen, also hatte herr modeß noch einige tage vorher ein kleines programm organisiert. wir fuhren nach são leopoldo und besuchten dort eine ausbildungsstätte für evangelische theologie und kirchenmusik.

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sowas gibt es brasilien so gut wie gar nicht. die studenten müssen ihr studium dort privat finanzieren und die kirchenmusiker fangen dort in der regel bei null an und lernen eher klavierspielen, denn orgeln sind ja sehr dünn gesät. wir stöberten in der bibliothek und stellten fest, dass ein großer teil der bücher aus privaten spenden kommen muss. bei den noten gibt es viel hausmusik und auch bei der sonstigen literatur stößt man auf raritäten wie zum beispiel “mein kampf” (auf deutsch) von einem gewissen hitler. die direktorin empfing uns dann zu einer kleinen vortrags- und fragerunde, wobei der pfarrer, der für uns das programm in porto alegre organisiert hatte, dolmetschen musste. wir aßen noch mittag in der cafeteria und dann ging es auch schon bald mit dem bus richtung porto alegre zum flughafen. unsere rückreise hatte der pfarrer dort auf dem programmzettel mit “heim ins reich” betitelt.

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wir mussten am flughafen noch zeit totschlagen, denn wir hatten vorsichtshalber großzügig geplant. als wir durchs terminal schlenderten hörten wir auf einmal großes gekreische und wurden neugierig. als wir uns der geräuschquelle näherten, sahen wir eine große menschentraube, die jedes mal aufschrie, wenn die schiebetür aufging. ab und zu lösten sich kleine gruppen und rannten in eine bestimmte richtung. bei genauerer betrachtung stellten sich die menschen als hysterische mädchen im teenageralter heraus. wir fragten jemanden an der information, wer denn da ankommt, dass alle hier so rumkreischen, doch man konnte uns nicht weiterhelfen: “don’t know. maybe a band?” also hielten wir eins von den mädchen an und die verkündete unsmit leuchtenden augen: “nick jonas is coming!”, und rannte weiter. alles klar.

das einchecken erwies sich wieder mal als großes problem. anscheinend ist es unmöglich, eine gruppe schnell abzufertigen. zuerst wurden erst mal alle pässe eingesammelt und dann wieder ausgeteilt, damit wir sie beim einzelcheckin wieder vorzeigen konnten. als sich zwei schalter gerade mit dieser überaus komplizierten prozedur eingearbeitet hatten, wurde ein dritter schalter eröffnet, an den ich gewunken wurde. ich sagte vorsichtshalber, dass ich zu der gruppe gehöre, doch die frau gab mir zu verstehen, dass das egal sei. da stand übrigens noch ein koffer auf dem band, der nicht mir gehörte. er hatte auch schon einen aufkleber dran und hätte nur nach hinten befördert werden müssen. doch anstatt dies zu tun, stellte die frau ihn einfach beiseite. so ist das also, wenn koffer verloren gehen. nach längeren verzweifelten versuchen, mich abzufertigen rief die frau eine kollegin zu hilfe, die ihr dann erklärte, dass ich zu der gruppe da gehörte. dann bekam auch mein koffer einen aufkleber, doch irgendwie schien das was falsch gewesen zu sein. sie riss das schild wieder ab, klebte ein neues ran und fragte noch mal: “your baggage to hamburg?”, und ich bestätigte mit skeptischem blick. dann suchte der kollege aus einem großen stapel ausgedruckter tickets meine heraus. das erste (porto alegre – lissabon) war schnell da, das zweite (lissabon – hamburg) kam dann nach zehnminütiger suche auch zum vorschein.

ein blick aufs ticket ließ  mich noch mal zusammenzucken: mein gepäck war auf “blume”, den namen eines anderen mitsängers gebucht. es stellte sich heraus, dass unser aller gepäck auf ihn gebucht wurde, warum auch immer.

die nächste schrecksekunde war dann bei der ausreise: haben alle ihren zettel dabei? hab ich ihn dabei? ja, der personalzettel von der einreise war noch da und alle durften ohne größeren aufwand ausreisen.

um 19.25 uhr hoben wir ab richtung lissabon. der flug dauerte zehneinhalb stunden. leider konnte ich nicht einschlafen. ab und zu bin ich mal weggenickt, aber das glich eher einer ohmacht. ich vertrieb mir die zeit mit lernen und filmegucken und auf den sonnenaufgang warten. zehn stunden sind ja lang, aber so lang habe ich sie noch nie erlebt. den sonnenaufgang habe ich dann aber tatsächlich erwischt und er hat ungefähr 30 sekunden gedauert, dann war es schon so hell, dass man das fenster wieder verdunkeln musste.

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irgendwann gab es dann ein frühstücksmenü mit nichtfrischem salat, nichtfrischen tomaten und nichtmozzarella. nach einer ewigkeit erreichten wir um kurz nach zehn den flughafen lissabon.

unser anschlussflug ging erst um 18.15 uhr. also machten wir uns völlig übermüdet bei 30°C und knalliger sonne auf den weg zum fado-museum. zuerst fuhren wir mit dem flughafenbus in die innenstadt. das war unglaublich nervig, weil der alle 20 meter abwechselnd an roten ampeln und haltestellen anhielt und nie jemand ausstieg, es stiegen nur leute ein. in brasilien wurden wir ständig vor der hohen kriminalität und den vielen drogen gewarnt. in lissabon kamen innerhalb von 15 minuten drei leute an, die uns gras oder irgendwelche pillen verkaufen wollten. nach dem bus fuhren wir mit der historischen straßenbahn weiter, die mich noch mehr angekotzt hat. es war eng, laut, ruckelig, unbequem und die wagen waren anscheinend nicht für den transport von so vielen leuten gedacht. es knirschte manchmal bedrohlich.

als wir ausstiegen, kamen wir an einer großen kirche vorbei, wo modeß natürlich unbedingt “die akustik testen” wollte. und so sangen wir eine fürchterliche jetlag-version von “denn er hat seinen engeln” von mendelssohn. dann kamen wir endlich am fado-museum an, das sich als außerordentlich fade herausstellte. fado ist eine portugiesische volksmusik, die irgendwann im 18. oder 19. jahrhundert in den armenvierteln entstand. die highlights des faden museums waren eine sonderausstellung zu instrumenten, wo zehn mal die gleiche zwölfsaitige gitarre ausgestellt wurde und ein klimatisierter kinosaal mit unglaublich bequemen sitzen, wo man sich von einem film in endlosschleife mit asynchroner tonspur berieseln lassen konnte. danach teilten wir uns in zwei gruppen. die einen fuhren gleich zurück zum flughafen, die anderen gingen noch zu einer burg auf einem berg. natürlich ging ich mit zur burg, um mir den rest zu geben.

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irgendwie kamen wir dann auch wieder zum flughafen und flogen um 18.15 uhr nach hamburg. um 22.35 uhr kamen wir in der heimat an. am gepäckband kam dann prompt die durchsage dass “die passagiere xyz und blume sich zur gepäckidentifizierung am serviceschalter melden sollen”. wir malten uns aus, was die leute da sagen würden: “herr blume, warum reisen sie mit 26 koffern?”, aber es stellte sich raus, dass ein koffer nicht mitgekommen war und dann am nächsten tag nachgeschickt werden sollte. dann hatten wir nur noch drei stunden busfahrt nach greifswald zu bewältigen.

nach ungefähr 45 stunden wachsein fiel ich gegen 3.00 uhr in mein bett.

epilog

am nächsten morgen wurde ich von einem anruf geweckt. meine flötenlehrerin, wollte einen termin für die nächste unterrichtsstunde machen, aber ich war zu solchen geistesleistungen noch nicht fähig und ich musste sie auf die nächste woche vertrösten. ich konnte es noch nicht ganz realisieren, dass ich wieder zu hause war, beziehungsweise, dass ich zwei wochen lang über 10000km entfernt von hier war. als ich durch greifswald ging, bewegte sich der verkehr wie in zeitlupe, denn zwei wochen lang mussten wir uns im brasilianischen verkehr behaupten und der fahrstil dort ist eben ein wenig offensiver. es war schön, sich wieder ohne pantomime verständigen zu können und über die straße zu gehen, ohne angst um sein leben habe zu müssen.

ich verbrachte einige tage damit, meine gut 450 fotos auf eine auswahl von rund 190 einzudampfen. und die schriftliche aufarbeitung zog sich bis heute hin.

einige wochen später – am 5. november – sangen wir unser programm noch ein letztes mal in der kirche in wieck. das schöne war, dass wir mal eine vernünftige akustik hatten, was in brasilien bei keinem konzert der fall war. leider war das konzert relativ schwach besucht und wir hatten uns zu sehr an den begeisterten applaus der brasilianer gewöhnt.

vor und nach dem konzert ließen wir die zwei wochen noch einmal revue passieren und werteten unsere fotos aus.

ich freue mich schon auf die nächste reise.

endlich hab ich mal zeit, meinen adventskalender auszupacken.

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